16.08.07

Crime-Telegramm / aus der schwedischen Rechtspraxis

Mord an der Frau - nicht ganz so schlimm?


Die schwedische Justiz unterscheidet zwischen „Mord in besonders schweren Fall“ und „normalem Mord“ bzw. Totschlag. Für den „schweren Fall“ gibt es Lebenslänglich, für den „normalen Mord“ nur bis zu zehn Jahre. Schwedische Rechtspraxis hat gezeigt, dass Morde an Ehefrauen, Lebensgefährtinnen und Ex-Frauen von den Richtern so gut wie immer als „normaler Mord“ eingestuft wird.

In Schweden hagelte es in der letzten Zeit Proteste gegen diese Rechtspraxis. Auslöser war der Mord an Jenny (24). Ihr Mann hatte sie in ihrem eigenen Bett erstochen und erwürgt, während ihr vierjähriger Sohn im Zimmer nebenan lag. Jenny hatte ihrem Mann mitgeteilt, dass sie die Scheidung eingereicht hatte. In der gleichen Nacht drehte ihr Mann durch. Der Richter verurteilte den Täter zu zehn Jahren Haft und sagte in der Urteilsbegründung: „Lebenslänglich sollte den schwersten Fällen von Mord vorbehalten bleiben.“

Die schwedischen Richter haben nämlich das Problem, dass das Gesetz kein Mittelding kennt. Es gibt zehn Jahre oder Lebenslänglich - und dazwischen ist absolut nichts!

Bis zum 30. April 2008 soll nun ein Ausschuss die Auswirkungen der Gesetze untersuchen und dem Parlament einen Vorschlag zur Gesetzesänderung vorlegen. Viele Schweden hoffen, dass dann die Normalmordstrafe stufenweise auf 18 Jahre angehoben wird. Die neuen Strafmaße könnten dann 2009 in Kraft treten.

Liza Marklund – schwedische Journalistin und Krimiautorin – hat sich in die laufende Diskussion eingemischt. Sie empfindet die momentane Rechtspraxis als „ausgesprochen horribel“. Liza Marklund hat unzählige Richter und Staatsanwälte interviewt und dabei immer wieder deutlich den Eindruck bekommen, dass Morde an Frauen geringer bestraft werden, als Morde an Männern.

In einem Interview mit „Expressen“ berichtet sie von einer Frau, die von ihrem Lebensgefährten mit 26 Messerstichen getötet wurde. „Ich sprach kurz darauf mit dem Staatsanwalt und er meinte, man wisse ja nicht, ob es wirklich Mord sei, vielleicht sei es ja nur Totschlag. Ich habe zu ihm gesagt, dass er wohl einen Witz mache. Die Frau ist regelrecht abgeschlachtet worden. Dann gab es den Fall „Maria“. Sie wurde in ihrem Bett mit einem Beil erschlagen! Sie hatte 28 Beilhiebe im ganzen Körper. Ihr Mann bekam nur zehn Jahre, weil der Richter die Tat als nicht ‚geplant und nicht besonders brutal’ einstufte. Dabei hatte der Mann im Wohnzimmer mit dem Beil in der Hand darauf gewartet, dass seine Frau einschläft!“

Mal schauen, ob die Schweden im kommenden Jahr ihr Gesetz verändern...

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen