11.09.07

Der schwedische Kannibale / Der Horror geht weiter

Die Opfer Anna Norell und Camilla Lifvendahl

Nach dem Mord an Anna Norell war sich die Polizei sicher, in Tommie K. den Mörder gefunden zu haben. Keiner glaubte ihm seine Geschichte von dem großen Unbekannten, der plötzlich in der Küche auf Anna eingestochen hatte. Tommie hatte Annas Pflegebruder nie kennen gelernt. Deshalb hatte er Lennart an jenem Schreckensmorgen nicht erkannt.
Lennart begriff, dass die Polizei nicht kommen und ihn nicht verhaften wird. Einerseits entspannte er sich, andererseits wusste er, dass er bald wieder töten wird.


In seinem Kalender kringelte er den 30. Oktober ein. Später wird ihn die Polizei fragen, was er am 30. Oktober vorhatte. Er wird dann antworten: „An diesem Tag ist Halloween, an diesem Tag wollte ich jemanden töten.“

Bis dahin wollte Lennart Persson die schrecklichen Stimmen in seinem Kopf unter Kontrolle halten.

„Ich glaube, dass der erste Mord mir jeden Respekt vor dem menschlichen Leben genommen hat. Eines Tages kam die Polizei und wollte mit mir über Anna sprechen. Danach begannen die Träume wieder. Die Dämonen sprachen wieder zu mir, und ich bekam wieder diesen Blutdurst.“

In Lennarts Kopf müssen sich in jenen Monaten schreckliche Phantasien abgespielt haben. Immer wieder dachte er ans Morden. Er wollte Blut trinken und zustechen und zerstören. Wenn er Kinder in der Nachbarschaft sah, wollte er auf sie einstechen. Aber sie waren nie alleine.

„Als der zweite Mord passierte, hatte ich nach einem neuen Opfer, dessen Blut ich trinken könnte, Ausschau gehalten. Die Kinder, die ich sah, waren immer mit ihren Eltern zusammen. Darüber bin ich heute sehr froh.“

Am Ende war der Trieb stärker als jede Vernunft.

Es war der 25. Oktober, also noch fünf Tage bis Halloween. Lennart hielt den Druck nicht mehr, er nahm sein Fahrrad und radelte zu Camilla Lifvendahl, einer weiteren Pflegeschwester. Auch sie hatte genau wie Anna ein glückliches Leben aufgebaut. Camilla war allein erziehende Mutter, studierte Erziehungswissenschaften und wollte Lehrerin werden.

Am Morgen des 25. Oktober ist Camilla noch zu Hause. Ihre kleine Tochter jedoch ist – zum Glück – bereits in der Schule!

„Was für eine Überraschung“, sagt sie, als Lennart vor der Tür steht. „Kommst du auf einmal und besuchst mich?“

Lennart zog sofort sein Messer und stach mehrere Male auf sie ein. Er muss oft zustechen. „Das Messer war viel zu schwach“, berichtete er später. Aber am Ende starb seine Pflegeschwester. Mehr als 80 Mal hatte Lennart auf seine Schwester eingestochen! „Ich trank ihr Blut. Dann ging ich ins Bad und wusch mich. Ich suchte nach ihrer Tochter, ich wollte sie töten. Aber ich fand sie nicht. Dann fuhr ich glücklich nach Hause. Ich hatte mein Ziel erreicht, ich hatte Blut getrunken.“ Er verbrannte die blutigen Kleider und behielt nur ein Stück mit Blut, an dem er später riechen wollte. Dann schlief er ein.
Camillas Tochter war neun Jahre alt. Camilla hatte versprochen, sie von der Schule abzuholen. Camilla hatte eine schwierige Beziehung hinter sich, lebte nun mit ihrer Tochter an einer geheimen Adresse, damit ihr Ex sie nicht finden konnte. Mutter und Tochter waren ein Team, das fest zusammen hielt. Als Camilla nicht erschien, um das Mädchen von der Schule abzuholen, wussten die Lehrerin sofort, dass etwas passiert sein musste. Am späten Nachmittag alarmierten sie die Polizei.

Lennart schenkte der Tragödie, die er verursacht hatte, keinen Gedanken. Er schlief den ganzen Tag und die ganze Nacht, aber als er aufwachte, hatte das Glücksgefühl ihn verlassen.
Er begriff, was er getan hatte.
Einen Trost hatte er jedoch: Er war sich sicher, dieses Mal verhaftet zu werden. Er setzte sich auf seinen Stuhl und wartete auf die Polizei. Panik stieg in ihm hoch, als sie auch dieses Mal nicht erschien. Er wusste, er würde wieder töten müssen. Und er wusste auch, dass er das auf keinen Fall noch einmal wollte. Lennart trank Putzmittel und schnitt sich die Pulsadern auf. Dann torkelt er hinaus auf die Wiese vor seiner Scheune. In diesem Moment erschien die Polizei. Sie hatte inzwischen 1 und 1 zusammen gelegt und erkannt, dass die Opfer Anna und Camilla über einen gemeinsamen, psychisch gestörten Pflegebruder miteinander verbunden waren.
Am 27. Oktober wurde Lennart Persson festgenommen. Später sagte er über diesen Tag: „Es war eine Befreiung.“

Was danach geschah

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