17.09.07

Der schwedische Kannibale / Was sonst noch geschah


Der Fall „Lennart Persson“
Was sonst noch geschah
(rechtes Bild: Die Zeitung "Aftonbladet" berichtet über Persson)



Lennart Persson –

Er wurde in die geschlossene Psychiatrie eingewiesen. Als das Urteil verlesen wurde, wirkte er völlig entspannt. Eine richtige Erklärung für die Morde konnte Lennart während des Prozesses nicht geben. Er musste nach eigener Aussage einfach töten, egal wen. Warum er gerade seine beiden Pflegeschwestern wählte, blieb ein Rätsel. Vielleicht, weil die beiden Frauen einfach die einzigen Frauen waren, die er kannte? Ein sexuelles Motiv hatten die beiden Morde jedenfalls nicht. Denn viel lieber hätte er wahrscheinlich ein Kind getötet.

Nur ein einziges Mal zeigte Lennart Persson während des Prozesses Aggressionen: Als von Tommie K., Annas Lebensgefährten, die Rede war. „Er hätte sie retten können“, behauptete Lennart, um im gleichen Atemzug zu sagen: „Aber dann hätte ich ihn auch getötet.“

Annas leibliche Mutter Carina Norell (57) berichtete während des Prozesses, dass Lennart an Annas Beisetzung teilgenommen hatte. „Er hatte einen großen Kranz gekauft. Er legte ihn aufs Grab. Dann kam er zu mir, drückte mich und schaute mir in die Augen.“

Bereits drei Monate nach der Einweisung in die Psychiatrie beantragte Lennart Persson zum ersten Mal Freigang. Der Antrag wurde abgelehnt, aber falls die Psychiater ihn für gesund erklären sollten, könnte er bald wieder auf freiem Fuß sein.

Die schwedische Krankenkasse hat seinen Zustand als Krankheit anerkannt. Er bekommt deshalb Krankengeld in die Psychiatrie überwiesen. Einen Teil des Geldes muss er für die Verpflegung abgeben, aber ca. 500 Euro im Monat kann er behalten. Es heißt, er lege das Geld in Bonbons und CDs an.

…………

Tommie K.


Tommie K. war nur 19 Jahre alt, als seine Freundin Anna ermordet wurde. Ich finde nicht, dass man übertreibt, wenn man Tommie als Lennarts drittes Opfer bezeichnet.


Wenn man versucht, sich vorzustellen, was Tommie an jenem Morgen des 30. März 2005 und in all den Monaten danach erlebte, glaubt man, einen regelrechten Horrorfilm vor sich zu sehen.

Tommie und Anna hatten ihr wenige Monate altes Söhnchen Mario zum ersten Mal überhaupt der Oma gegeben. Sie wollten endlich einmal wieder ausschlafen. Es war acht Uhr morgens, als es an der Tür klingelte. Anna stand im Nachthemd auf und öffnete die Tür. Tommie blieb im Bett liegen, er hörte eine Männerstimme im Flur. Dann hörte er, wie Anna den ihm unbekannten Mann in die Küche einlud. Tommie wunderte sich etwas, aber er machte die Augen noch einmal zu und dachte, es wird schon seine Richtigkeit haben. Er schlief noch einmal ein. Bis er Anna dann schreien hörte. Er stürzte aus dem Bett, lief zur Küche und sah Blut … überall Blut. Und einen rasenden Mann. Der Mann war größer und älter als Tommie. Und er hatte ein Messer.

Tommie lief hinaus, um Hilfe zu holen. Als er mit der Polizei zurückkam, lag Anna tot auf dem Boden, und vom Täter gab es keine Spur.

In der einen Sekunde waren Tommie und Anna noch ein glückliches junges Paar gewesen – in der nächsten durchlebte Tommie den puren Horror.

Tommie wurde verhaftet. Sein Kind kam in Pflege und er selbst kam in U-Haft.

Erst als die DNS-Proben zeigten, dass Tommie Recht hatte und ein Unbekannter am Tatort gewesen war, kam er wieder auf freien Fuß. Das war am 27. Mai! Fast zwei Monate hatte Tommie im Gefängnis verbracht.

„Das schrecklichste war, dass ich nicht nur wie ein normaler Mörder behandelt wurde, sondern wie der größte Abschaum. Die Polizei ging ja davon aus, dass ich Annas Fleisch gegessen hatte und ihr Blut getrunken hatte. Ich konnte merken, dass mir die Polizei nicht glaubte. Sie taten alles, damit ich die Tat gestehe. Sie verhörten mich jeden Tag. Ich musste mir immer wieder Fotos anschauen, auf denen meine Freundin tot zu sehen war. Ich lag in meiner Zelle und weinte. Ich träumte davon, dass sie den wahren Täter finden“

Erst nach einem zweiten Mord ging dieser Traum endlich in Erfüllung! Bis dahin war Tommie zwar auf freien Fuß, aber offiziell und in den Augen der Polizei und der Presse, stand er durchaus noch unter Verdacht! Sein Leben wurde zu einem Spießrutenlaufen.

Nach Lennarts Verhaftung glaubte Tommie, nun sei endlich alles wieder in Ordnung. Aber das war nicht der Fall! Das Jugendamt wollte ihm auch jetzt sein Söhnchen Mario nicht geben. Selbst Weihnachten durften Vater und Sohn nicht miteinander verbringen Erst nach einem wochenlangen Kampf gab das Jugendamt nach. Am 25. Januar 2006 – 10 Monate nach dem Mord an Anna – entschieden die Erzieher, dass Mario wieder zu seinem Vater darf. Nach einigen Wochen Übergangszeit, in der Vater und Sohn wieder aneinander gewöhnt wurden, kam der kleine Mario nach Hause!
Tommie K. hat inzwischen umgerechnet ca. 15.000 Euro Schmerzensgeld erhalten.

Schlussbemerkung:
Sein Bild und sein Name sind in Schweden überall bekannt, aber ich habe mich dafür entschieden, hier in diesem Blog kein Foto zu zeigen und den Namen nicht zu nennen.

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