24.09.07

"Du bist ein unerzogener Junge" - 15-Jähriger vergewaltigte und tötete alte Dame

Vergangene Woche wurde auf Grönland ein 15-Jähriger verhaftet. Mithilfe eines Schuhabdrucks wurde er der Vergewaltigung und des Mordes an Gerda Møller (85) überführt. Am Freitag wurde der Junge von Grönland nach Dänemark gebracht. Dort gestand er vor dem Haftrichter seine Tat. Einzelheiten über den Tatverlauf sind deswegen nun in der Öffentlichkeit bekannt geworden.


Der Junge hatte im Winter 2006 die Trennung seiner Eltern verarbeiten müssen. Kriminell war er nicht, aber als er bei einigen Ladendiebstählen erwischt wurde, schickten ihn Pädagogen von Grönland nach Aalborg in Dänemark. Dort lebte er in einer Jugendinstitution. Fernab der Heimat sollte er auf andere Gedanken kommen, sich sammeln und neue Impulse bekommen.

Die Wirklichkeit sah für den 15-Jährigen anders aus. Er fühlte sich in Dänemark nicht zu Hause und litt unter Heimweh. Außerdem war er auch weiterhin traurig über die Scheidung seiner Eltern. Er träumte von seiner verlorenen Kindheit im ewigen Eis, von seiner Familie, die offenbar mal glücklich gewesen sein muss und er hatte – wie er nun gestand – die Nase von der Jugendinstitution in Aalborg gründlich voll.

Auf Pfingsten wird in vielen dänischen Städten Karneval gefeiert. Die Dänen haben den Karneval bereits vor 30 Jahren aus den kalten Monaten auf Pfingsten verlegt, weil sie Samba-Feeling in der Sonne und nicht in Wintermänteln erleben wollen. Am 26. Mai 2007 war Pfingstkarneval in Aalborg. Der Junge wanderte durch die tanzende Stadt. Was er dachte und fühlte, weiß nur er. Aber das Heimweh nach den stillen Weiten Grönlands muss inmitten des lauten, heißen Trubels überwältigend gewesen sein.

Vor dem Haftrichter erzählte er nun folgendes:

„Ich trank ein paar Bier und eine halbe Flasche Rum. Ich kann mich nicht erinnern, wo ich es her hatte. Ich wanderte durch Aalborg und kam dann in die Straße, in der die alte Dame wohnte. Ich wollte nach Hause anrufen und mit meinen Eltern sprechen, weil sie sich hatten scheiden lassen. Ich ging einfach in eine Wohnung, aber ich hörte, dass jemand in einem der Zimmer war. Deswegen ging ich weiter in eine andere Wohnung. Dort ging ich aufs Klo. Als ich herauskam, stand die alte Dame da und schrie mich an. Sie schrie, dass ich verschwinden soll. Ich schlug sie. Sie schlug zurück. Da wurde sie sauer und griff nach meinen Hoden.“

Der Junge drehte durch und vergewaltigte die alte Dame.

Anschließend beging Gerda Møller wahrscheinlich den Fehler ihres Lebens. Vielleicht wäre nun alles vorbei gewesen, wenn sie nur den Mund gehalten hätte! Aber Gerda Möller war eine rüstige alte Dame, die sich von niemand etwas gefallen ließ.

Der Junge hätte leicht ihr Enkel oder sogar Urenkel sein können! Sie war Respekt von der Jugend gewöhnt, und nun dieses! Sie schimpfte ihn erneut aus. „Du bist ein ungezogener Junge! Du hast keine Manieren, du bist schlecht erzogen. Ich rufe jetzt die Polizei.“

Der 15-Jährige zog sein Messer und stach auf die Frau auf. Dann ging er in die Küche, wusch sein Messer, steckte es ein, nahm ein neues aus der Küchenschublade und stach erneut auf die Frau ein. Am Ende ertrank sie laut Rechtsmedizin in ihrem eigenen Blut, weil er ihr die Kehle durchgeschnitten hatte.

Anschließend fuhr er zurück in die Jugendinstitution. Dort fragte niemand, wo er gewesen war. Einige Wochen später reiste er heim nach Grönland.



Vielleicht hat sich die Geschichte anders abgespielt, vielleicht hat Gerda Möller sich ganz anders verhalten und etwas ganz anderes gesagt. Die Wahrheit kennt nur der Junge selbst. Es jedenfalls durchaus vorstellbar, dass der Junge über den Auslöser der Vergewaltigung lügt.

Jörn Beckmann ist dänischer Kriminalpsychologe. Er ist sich jedenfalls sicher, dass die alte Dame noch leben könnte, falls sich die Tat wie geschildert abgespielt hat. „Sie erschrak und schrie deshalb. Wenn sie ruhig geblieben wäre, und wenn sie ihn zu einem Bier eingeladen hätte und ihm das Telefon gegeben hätte, würde sie noch leben. Als sie ihn als „ungezogenen Jungen“ bezeichnete, streute sie Salz in seine Wunde. Er dachte an seine Eltern, und seine Eltern bekamen durch dieses Schimpfwort eine Schuldzuweisung. Damit will ich die Handlungen des Jungen nicht entschuldigen, ich versuche nur, sie zu erklären.“





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