30.10.07

Dreifachmord auf der Sonneninsel


Fotos: Ekstra Bladet
oben E.Waever,

unten die Überreste der abgebrannten Ärztevilla



Bornholm - Wer den Namen dieser Insel hört, denkt unwillkürlich an weiße Strände, an runde Kirchen, an geräucherten Hering und an Pflanzen, die man sonst nur aus dem Mittelmeer kennt. Bornhom ist Sommerland, Bornholm ist Märchenland. Kopenhagener Schulen senden ihre 7. Klassen gerne zur Klassenreise nach Bornholm. Die Ostseeinsel ist nicht selten Schauplatz einer ersten romantischen Jugendliebe.


1995 wurde die Insel Schauplatz eines schier unfassbaren Verbrechens.


Eine Frau, die ihr ganzes Leben damit verbracht hatte, Kindern zu helfen und sie zu heilen, setzte zwei Kinder und deren Mutter dem Flammentod aus. Jedes Gefühl schien diese Frau in jener Nacht verloren zu haben.


Sie behauptet bis heute, unschuldig zu sein, obwohl alle Indizien gegen sie sprechen. Als Außenstehender wird man sich also immer auch fragen müssen: Hat sie es wirklich getan? Und wenn Ja, war der Dreifachmord für ihre Seele so zerstörerisch, dass nicht einmal sie - die Täterin - in der Lage ist, der Wahrheit ins Auge zu schauen? Oder ist sie wirklich Opfer eines unbegreiflichen Justizirrtums? Wenn Ja, dann hat sie sich trotzdem unterlassener Hilfeleistung schuldig gemacht. Und diesen Punkt hat sie sogar gestanden!





Elisabeth Wæver war eine Frau, die sicherlich von vielen bewundert und vielleicht sogar beneidet wurde.


Sie sah gut aus, und sie war erfolgreiche Kinderärztin. Sie verdiente besser als die meisten anderen, und sie besaß eine schicke Wohnung in einem der besten Stadtteile Kopenhagens. Nur für eine eigene Familie und Kinder schien Elisabeth nie genug Zeit gehabt zu haben! Nach Aussen wirkte sie wie eine typische Karrierefrau kühl und beherrscht, aber hinter ihrer intellektuellen Fassade verbarg sich eine Frau voller Leidenschaften. Bedauerlicherweise auch voller zerstörerischer Leidenschaften.

Die Tragödie begann 1994. In jenem Sommer nahm die damals 40-jährige Elisabeth Wæver eine zeitbegrenzte Stellung im Zentralkrankenhaus von Rønne auf der sonnigen Ostseeinsel Bornholm an. Es war eine Art Sommerjob für Ärzte ... Elisabeth lernte dort ihren Kollegen Bent Brandt H. kennen. Bent war verheiratet und Vater von zwei Söhnen. Das hinderte ihn allerdings nicht daran, mit Elisabeth eine Beziehung einzuleiten. Die beschwingte Bornholmer Sommerstimmung mag einiges dazu beigetragen haben.
Er wurde eine äußerst verhängnisvolle Affäre, eine Affäre, die Bents Familie und Bents Leben für immer zerstören würde!

Von Anfang an war klar, dass die Affäre keine Zukunft hatte, und die Ärztin schien zu verstehen! Elisabeth zog nach jenem Liebessommer zurück nach Kopenhagen und trat dort einen Posten in einem Krankenhaus an. Ganz trennte man sich jedoch nicht, und hin und wieder kam der Bornholmer Arzt zu einem Liebeswochenende nach Kopenhagen.


Es war in vielen Punkten eine geradezu erschreckend gewöhnliche Affäre, eine, wie sie Tausendfach und immer wieder passiert. Sie hoffte, und er war zu schwach, um Stellung zu beziehen. Vielleicht genoss er auch die Situation, eine Frau und eine Familie in einer Villa auf Bornholm und gleichzeitig eine gebildete gut aussehende Geliebte in einer schicken Wohnung in der Hauptstadt zu haben.


An einem Freitagabend im August 1995 traf sich das Paar wieder einmal. An jenem Abend ging das Paar im eleganten Kopenhagener Langelinie-Restaurant essen. Die Kinderärztin hatte offenbar von einem Wochenende voller Liebe geträumt – statt dessen schenkte der Arzt seiner Geliebten an jenem Abend endlich reinen Wein ein. Er beendete die Beziehung.


Was dann passierte, ist schwer nachzuvollziehen. Irgendetwas muss an jenem Abend im Kopf und in der Seele der Ärztin durchgebrannt, ja regelrecht kaputt gegangen zu sein. Alle Gefühle, die sie bisher immer für Kinder gehabt und gezeigt hatte, schienen wie weggeblasen zu sein. Eifersucht und Wut wurden so heftig, dass die Ärztin jede Kontrolle über sich verlor.


Elisabeth Wæver flog am Sonntagabend nach Bornholm. Ihr Liebhaber war bereits zurückgekehrt, er hatte Nachtschicht im Krankenhaus. Irgendwann in der Nacht zum Montag besuchte die Ärztin die Familie ihres Geliebten. Warum Birgit – Bents Frau – die Geliebte ihres Mannes ins Haus ließ, wird man wohl nie erfahren. Genauso unklar ist, was dann eigentlich passierte. Die Frauen haben offenbar zusammen geredet und zusammen Wein getrunken. Die Kinder schliefen.


Fest steht, dass das Haus am frühen Montag Morgen plötzlich lichterloh brannte.


Als die Feuerwehr das Feuer gelöscht hatte, fand sie die Birgits Leiche in einem Sessel und die sterblichen Überreste des vierjährigen Henrik in seinem Gitterbettchen. Birgit war in ihrem Sessel bis zur Unkenntlichkeit verbrannt,


Der kleine Henrik war in seinem Gitterbettchen von den Flammen überrascht worden. Eine gerichtsmedizinische Untersuchung zeigte später, dass Birgit mit einer hohen Dosis Morphium betäubt gewesen war. Außerdem hatte sie die Tür zum Kinderzimmer versperrt, so dass die Kinder in einer Falle saßen.


Der 7-jährige Sören hatte sich dagegen als einziger aus den Flammen retten können. Man fand ihn mit schweren Brandverletzungen vor dem Haus. Ein Rettungshubschrauber brachte den Jungen in eine Spezialabteilung nach Kopenhagen. Aber auch dort konnte man ihm nicht helfen. Sören starb vier Wochen später nach langen schrecklichen Leiden.


Elisabeth Wæver wurde noch am gleichen Tag festgenommen.


Sie war um 9.05 morgens – während das Haus brannte – unter falschen Namen mit einer Morgenmaschine nach Kopenhagen zurück geflogen. Dann war sie wie an jedem normalen Arbeitstag im Krankenhaus erschienen. Als man sie am Abend verhaftete, hatte sie sich allerdings ihre angesengten Haare von einem Friseur schneiden lassen und ihre Kleidung in die Waschmaschine gesteckt.


Elisabeth Wæver wurde 1996 wegen dreifachen Mordes zu lebenslanger Haft verurteilt.



Nachspiel 1:


Die Kinderärztin gestand nie, das Feuer gelegt zu haben! Sie gestand nur, auf Bornholm und im Haus gewesen zu sein, als das Feuer begann. Sie habe sogar versucht, die Familie zu retten. Warum sie einfach heim flog, ohne erste Hilfe zu leisten, konnte sie allerdings nicht erklären. Elisabeth Wæver legte in mehreren Instanzen Einspruch gegen das Urteil ein. Sie wollte mit ihrem Anwalt sogar vor das Menschenrechtsgericht in Straßburg ziehen. Der Antrag wurde jedoch zurückgewiesen! Ein dänischer TV-Sender befragte Ende der 90er Jahre britische Spezialisten, die behaupteten, dass Elisabeth Weaver das Feuer gar nicht gelegt haben konnte. Technische Beweise würden einen anderen Verlauf zeigen. Aber auch die Aussagen dieser Spezialisten führten nicht zu einem Wiederaufnahmeverfahren.





Nachspiel 2:


Elisabeth Wæver heiratete 2003 im Gefängnis einen ein Jahr jüngeren Mann: P. Hansen. Er hatte seinen nur drei Jahre alten Stiefsohn immer wieder misshandelt und am Ende mit einem Faustschlag getötet. Für diesen Totschlag hatte er sechs Jahre Haft bekommen. Er ist inzwischen wieder frei und lebt in der eleganten Eigentumswohnung der Ärztin, die sie aus ihrer Zeit vor der Haftstrafe behalten hatte. Laut dänischem Gesetz kann Elisabeth Weaver bereits nach zwölf Jahren Haft auf eine vorzeitige Entlassung hoffen. Rein theoretisch könnte sie 2007 noch entlassen werden. Im Sommer 2006 wurde bekannt, dass sie schon damals die Wochenenden bereits in Freiheit bei ihrem Mann verbringen konnte!


Bild rechts: Ekstra Bladet
meldet im Sommer 2006,
dass die "Todesärztin" bald wieder frei ist.


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