10.12.07

Der grausame Fahrraddieb




Juha Valjakka damals und heute,
Quelle: Polizei, Aftonbladet




Åmsele ist ein kleiner schwedischer Ort am 64 Breitengrad. Nur noch ein paar Kilometer weiter nördlich, und man ist in Lappland. Auch die finnische Grenze ist recht nah, die Hauptstadt Stockholm liegt dagegen nicht nur 10 Autostunden entfernt -sie scheint mit ihrem eleganten Großstadttreiben eine ganz anderen Welt zu sein.
Nur 200 Menschen leben in Åmsele. Ihre Häuser sind weit verstreut errichtet, denn an Platz mangelt es hier bestimmt nicht. Man könnte Amsele als "gottverlassenen" Ort bezeichnen, wenn es hier mit seinen Flüssen und Wäldern, nicht so außergewöhnlich schön wäre.

Aber es gab einen Tag in der Geschichte der kleinen Siedlung, als Gott wirklich wegschaute und das Böse vorbeikam. Denn am 3. Juli 1988 war Amsele im wahrsten Sinne des Wortes ein von Gott verlassener Ort gewesen.

Dabei war der Tag ruhig und harmonisch verlaufen. Es war Sommer, die Mücken schwirrten in der Luft und die Leute genossen die kurze warme Jahreszeit mit vollen Zügen. Einige Touristen hatten sich in die Gegend verirrt. Einige gingen angeln, andere wanderten. Es war ein typischer nordschwedischer Sommertag.
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Ein merkwürdiges Pärchen hatte es sich an diesem Tag in einem Auto bei der Kirche von Amsele gemütlich gemacht: Juha Valjakka und seine Freundin Marita. Beide waren Finnen, beide waren Anfang 20, und beide betrachteten sich als moderne und finnische Ausgabe von Bonnie und Clyde! Juha hatte auf diesem Gebiet allerdings den weitaus größeren Karrierevorsprung! Mit 15 war er bereits 63 Mal von der Polizei verhaftet worden, während Marita eine ruhige Kindheit erlebt hatte.
Juha hatte Marita in einem Park kennen gelernt. Er hatte Marita angesprochen, als sie auf einer Parkbank saß: "Hallo, ich heiße Hanoi und bin ein Rockstar!"
Marita und Juha wurden sofort ein Paar. Sie betete ihn an, auch als er sie anbrüllte und auch, als er sie schlug. Einmal schlug er sie so hart, dass eine Narbe über dem Auge zurück blieb, aber auch das änderte nichts an ihrem Verhältnis. Sie machte alles, was er von er von ihr verlangte. Und als er die Idee bekam, mit ihr als Gaunerpaar quer durch Skandinavien zu ziehen, fand sie das Klasse und irgendwie romantisch.. Sie übernachteten in Hotels, ohne zu bezahlen. Sie klauten Autos, sie leerten Sammeldosen in den Kirchen und sie besorgten sich ihre Lebensmittel bei regelrechten Diebeszügen.
1987 stahl er einen Mercedes und verletzte auf der Flucht einen Mann schwer. Juha wurde verurteilt, Marita zog zu ihrer Schwester. Während Juha im Knast saß, verliebte sich Marita in einen anderen Mann. Sie versprach ihm und sich selbst, Juha in Zukunft die kalte Schulter zu zeigen.
Im April wurde Juha freigelassen, und am 1. Mai stand er vor ihrer Tür. Er wollte, dass sie wieder mit ihm loszieht, und wieder machte sie widerstandslos mit. Auch wenn sie andere Ziele und Wünsche gehabt hatte - immer noch machte sie alles, was Juha von ihr verlange. Mit auf der Partie waren - quasi zum Trost - ihre beiden weißen AngoraKaninchen, die sie ständig im Schoß hielt!
Juha und Marita reisten quer durch Skandinavien, und wo sie waren, hinterließen sie betrogene Hotels, aufgeknackte Autos und ausgeraubte Landsupermärkte. Die Polizei fand in den aufgebrochenen Autos immer wieder Kaninchenfutter und wusste deshalb, wer hier das Land unsicher machte.
Nach ein paar Wochen "on the road" legte sich Juha ein Hagelgewehr zu. Er sägte nach Gangster-Sitte den Lauf ab und trug es halb versteckt unter der Jacke.
Am 3. Juli 1988 kam das Pärchen nach Amsele in Nordschweden. Juha und Marita hatten einige Supermärkte beklaut, und nun feierten sie in ihrem Auto eine kleine Party. Sie tranken Bier und giftgrünen KiwiLikör und knabberten Erdnüsse. Beide bekamen einen Schwips, sie lachten viel, und selbst der meist düster gestimmte Juha war plötzlich richtig gut gelaunt. Als es Abend wurde, verließen Juha und Marita ihr Auto und spazierten ins Dorf.
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Dort kam Fredrik Nilsson (15) mit seinem Fahrrad von einem Ausflug zurück. Er war gerade ins Haus gegangen, als er sah, dass Juha und Marita sein Fahrrad klauten. Marita setzte sich hinten auf den Gepäckträger, Juha radelte lachend und singend davon. Fredrik alarmierte seinen Vater Sten, und zusammen liefen Vater und Sohn den Fahrraddieben nach!

Besonders mutig sind sie sich in diesem Moment bestimmt nicht vorgekommen, denn wer vermutet hinter einem Fahrraddieb schon einen potentiellen Dreifachmörder? Außerdem war Sten Offizier bei der schwedischen Armee, natürlich gab es für ihn keine andere Alternative als die, das Fahrrad zurückzuholen!

Auf dem kleinen Friedhof von Amsele holten Vater und Sohn die Fahrraddiebe ein. Es gab nur einen kurzen Wortwechsel, dann zog der Dieb sein abgesägtes Hagelgewehr hervor.

Mit entsicherten Gewehr zwang er Vater und Sohn auf die Knie. "Bitte mich um Gnade!", brüllte er den Vater an. Der stammelte hilflos: "Ich wollte doch nur das Fahrrad wieder haben ..." Juha schoss Sten aus nächster Nähe den Kopf ab. Frederick sah seinen Vater sterben und schrie: "Ich bin nur 13, lasst mich leben". In der letzten Sekunde seines Lebens hatte der 15-Jährige geschwindelt, aber auch diese Lüge half ihm nicht. Juha erschoss auch ihn.

Ewa Nilsson hatte vor ihrem Haus die Schüsse in der Ferne gehört. Voller Panik lief sie Richtung Friedhof. Dort sah sie, wie ein Mann in ein Auto sprang. Sie lief hin und klopfte an die Autotür. Juha sprang heraus, dabei riss er die Tür so gewaltsam auf, dass Ewa hinfiel. Juha nahm sein Gewehr und schlug mit dem Kolben mehrere Male auf ihren Kopf ein. Marita blieb mit ihren Kaninchen im Auto sitzen. Juha brüllte: "Bring mir das Gewehr!" Marita brachte es ihm gehorsam. Aber das Gewehr klemmte. Juha schnitt Ewa die Kehle durch.

Innerhalb weniger Minuten war eine dreiköpfige Familie ausgelöscht worden, weil ein Mann aus ein Fahrrad stehlen wollte und nichts mehr hasste, als Widerstand.



Spurensicherung auf dem Friedhof von Amsele, Polizeifoto




Verhaftung, Prozess, Haft und Weiteres folgt hier

Kommentare:

  1. hallo ingrid,

    auch hier scheint der link nicht zu funktionieren.

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  2. Schade, wieder kein Link

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