26.10.07

Crime-Telegramm / Höchststrafe für Doppelmörder?

Heute - am Freitag - ging der Prozess gegen Bahadir Mirzaolimov (27) zu Ende. Der Mann aus Usbekistan ist angeklagt, seine Frau, die mit Zwillingen schwanger war, und die 7-jährige Cicilie, die zufällig im Haus war, ermordet zu haben.
Diese sogenannten Overhalla-Morde waren so brutal, dass aus Rücksicht auf die Familie der Opfer Einzelheiten unter Ausschluss der Öffentlichkeit geschildert wurden.

Der Staatsanwalt Jan Henrik Dahle hat am Freitag 21 Jahre Haft für Bahadir gefordert. Das wäre die norwegische Höchststrafe.

"Er hat auf brutalste Art und Weise zwei Menschen das Leben genommen. Und er hat den Zwillingsbabys die Möglichkeit genommen, zur Welt zu kommen. Er hat auch der Tochter des Opfers die Möglichkeit genommen, in Zukunft ein normales Leben zu führen."

Mehr dazu, so bald das Urteil bekannt ist!

Crime-Telegramm / Sohn ermordete Mutter

In Oslo fand die Polizei in einer Wohnung eine 56-jährige Frau tot. Ihr 23-jähriger Sohn war bei der Leiche. Er wurde festgenommen. Die Polizei geht davon aus, dass er seine Mutter getötet hat, wollte aber keine weiteren Einzelheiten dazu bekannt geben. Der Sohn hatte offenbar bereits früher psychische Probleme.

24.10.07

Knutbys mörderischer Pastor - Nachdrehe 3

Immer wieder gibt es Neues zum Fall Knutby. Die Tatsache, dass ein Pastor sein Kindermädchen zur Mörderin gemacht hat und dass er wahrscheinlich auch seine erste Frau getötet hatte, lässt die Schweden nicht zur Ruhe kommen.

Nun ist bekannt geworden, dass bei You Tube schon seit geraumer Zeit Polizeivideos liegen. Sie zeigen, wie Kindermädchen Sara Svensson in das Haus des Pastors geht und mit einem riesigen Revolver die schlafende Pastorengattin erschießt und immer wieder kontrolliert, ob Alandra Fossmo auch tot ist.

Dabei erklärt sie ihre Vorgehensweise mit ruhiger Stimme.

"Es war ganz leise im Haus ..."
"Es war sehr schnell überstanden, ich dachte nur daran, dass ich das machen muss."
"Hier wurde mir schlecht."
"Ich hatte Angst, dass sie noch lebt. Ich dachte, Alexandra lebt noch und muss leiden."

Nach dem Mord an Alexandra schoss Sara auch noch auf einen Nachbarn, der den Anschlag aber überlebt hat.

Saras Anwalt Christer Söderberg hat berichtet, dass die Aufnahmen eine ganze Nacht dauerten. "Für Sara war die Tatsache, dass sie die Tat mit eigenen Worten beschreiben musste, extrem schlimm."

Der Pastor Helge Fossmo, der geplant hatte, seine Hände in Unschuld zu waschen, wurde damals zu lebenslänglicher Haft verurteilt. Sara wird seit der Tat psychiatrisch behandelt. Es geht ihr schon etwas besser, aber sie ist noch weit davon entfernt, gesund zu sein.

Der Fall ist sehr genau in den anderen Knutby-Postings geschildert.

Polizeiliche Rekonstruktion mit Sara Svensson:

23.10.07

Die Schreckensnacht von Overhalla


Der Tatort am Morgen danach
Quelle: Aftenposten
siehe auch hier





Overhalla ist eine kleine Gemeinde im mittleren Norwegen. Die Sommer sind zwar kurz, aber die Landschaft alles andere als langweilig, sie wechselt zwischen tiefen Wäldern, Feldern und kargen Felsen. In den Wäldern gibt es Elche und Bären, und die Gebirgsbäche sind voller fetter Lachse. 3700 Personen leben in Overhalla, jeder kennt Jeden. Bis zum 30. April 2007 dachte man, dass in Overhalla nie etwas wirklich Böses geschehen könne. Overhalla – das ist fast schon Paradies!


Das dachte man zumindest bis zu jener schrecklichen Nacht im April 2007. Die Tragödie begann allerdings schon im Vorjahr mit einer ungewöhnlichen Liebe.

Bahadir Marzaolimov (27) stammt aus dem fernen Usbekistan. Über verschlungene Wege war er in dieser fernen Ecke Europas gelandet, und anfangs schien er hier wirklich sein Glück gefunden zu haben. Er lernte die Sprache sehr schnell, und als er in einem Asylantenheim in Nordnorwegen, in dem er als Dolmetscher aushalf, eine Norwegerin kennen lernte, nahm sie ihn mit zu ihrer Freundin Anne Grete Vollum (35).

Aus Anne Grete und Bahadir wurde innerhalb weniger Wochen ein Paar, und sie heirateten im Herbst 2006, nachdem sie sich erst wenige Monate gekannt hatten. Logischerweise reagierten ihre Freunde sehr erstaunt über die plötzliche Ehe. Anne Grete galt immer als eine sehr besonnene Frau, niemand hätte gedacht, dass sie sich Hals über Kopf in eine Ehe mit einem jüngeren Asylbewerber stürzt. Freundin Irene erinnert sich: „Ich war sehr überrascht, aber ich wusste, dass sie sehr verliebt ist.“

Anne Grete hatte aus einer früheren Beziehung eine 10-jährige Tochter, und auch sie mochte Bahadir. Aber genauso schnell, wie sich die beiden verliebt hatten, genauso schnell begann es zu kriseln. Immer wieder warf sie ihm vor, dass er sie gar nicht liebe, sondern sie nur wegen der Aufenthaltsgenehmigung geheiratet hatte.

Im Januar – nur drei Monate nach der Hochzeit – setzte Anne Grete ihren Mann nach einem heftigen Streit vor die Tür.

Bahadir war wieder da, wo er auch vor einem Jahr gewesen war: Im Niemandsland der Asylbewerber. Er zog in einen anderen Ort, wohnte wieder zur Untermiete und musste erneut Angst haben, dass ihn die Behörden zurück nach Usbekistan senden.

Dabei wusste Bahadir inzwischen, dass Anne Grete schwanger war und ein Kind von ihm erwartete.

Anne Grete freute sich sehr auf ihr Kind – bzw. auf ihre Kinder! Sie erwartete Zwillinge, zwei Jungen! Freundin Irene sollte Taufpatin werden. „Sie sollten Markus und Sindre heißen.“

Anfang 2007 stellte Anne ihr Profil in einem norwegischen Internetclub vor. „Ich bin eine sehr erwachsene Frau mit einer Tochter, und ich erwarte Zwillinge“, schrieb sie auf ihrer Seite.

Als Bahadir einmal nach dem Namen seiner Frau googelte, stolperte er über ihre private Seite. Auf diese Art erfuhr er, dass er Vater von Zwillingen wird!

Der Kontrast zwischen dem Leben der werdenden Mutter und dem Leben des werdenden Vaters war enorm! Anne Grete war voller Vorfreude und richtete ein Zimmer in ihrem Häuschen zum zukünftigen Babyzimmer ein. Eine Freundin half beim Streichen der Wände und der Möbel. Bahadir dagegen wusste nicht, ob er seine Söhne jemals sehen würde. Anne Grete hatte ihm mehrere Male am Telefon gesagt, dass sie keinen Kontakt mehr wollte. Und es war mehr als unwahrscheinlich, dass er ohne Ehefrau eine Aufenthaltsgenehmigung in Norwegen bekommen würde!


Zwei oder vier Tote?

In der Nacht zum 30. April kam es zu einer der größten menschlichen Tragödien in der norwegischen Kriminalgeschichte. Es gab anschließend sogar eine kurze Diskussion darüber, ob nun zwei oder vier Menschen ermordet worden waren.

Anne Gretes Nichte Cicilie Watnan Lian (7) kam auf Besuch. Cicilies Eltern waren im Krankenhaus, weil Cicilie ein Geschwisterchen bekam.

Die hochschwangere Anne Grete – die Babys sollten am 7. Juli zur Welt kommen - legte sich schlafen, Cicilie und Anne zehnjährige Tochter kuschelten sich zusammen im Kinderzimmer in einem Bett.

Irgendwann in der Nacht tauchte Bahadir auf. Zehn Stunden lang war nun das Grauen zu Gast in diesem Haus.

Was genau passierte, will die Staatsanwaltschaft so weit wie möglich geheim halten. Die Angehörigen sollen verschont werden. Vor allem Anne Gretes Tochter soll so wenig wie möglich über diese Horrornacht hören, denn das kleine Mädchen hat als einzige diese Nacht überlebt!

Die schwangere Mutter und Cicilie, die nur zufällig im Haus war, starben. Auch die beiden ungeborenen Söhne verloren ihr Leben, bevor sie es sie überhaupt je erlebt hatten.

Bekannt wurde allerdings, dass Bahadir einen Hammer, ein Messer und wahrscheinlich auch eine Plastiktüte als Mordwaffe benutzte. Da Bahadir auch wegen eines Sexualdeliktes vor Gericht steht, hat er seine Ex-Frau wahrscheinlich auch missbraucht.

Anne Gretes Tochter saß – während ihre Mutter und ihre Freundin getötet wurden – geknebelt und gefesselt in einem Stuhl. Erst, als Bahadir nach zehn Stunden das Haus verließ, konnte sie sich teilweise befreien und per Handy ihren Vater alarmieren. Ein Streifenwagen fand wenige Minuten später das Kind. Es saß vor dem Haus auf der Motorhaube eines Autos. Im Mund hatte es immer noch einen Knebel, die Hände waren noch gefesselt, aber die Füße waren frei. Durch den Knebel schrie sie: „Helft meiner Mutter!“

Aber für ihre Mutter kam jede Hilfe zu spät. Genau wie für Cecilie.

Die Spurensuche fand im Haus das Handy von Bahadir. Auf dem Handy hatte er eine Abschieds-SMS gespeichert:

„Ich habe überlegt, was ich machen soll. Ich werde Anne Grete und mich töten. Wenn nur die Kinder nicht wären, dann hätte ich es nie getan. Das tut mir wirklich sehr weh. Ich bin keine Maschine, die Kinder macht. Ich bin ein Mensch. Ein Rat an alle norwegischen Frauen: Erschwindelt kein Kind von einem Mann, besonders nicht, wenn er aus dem Ausland ist. Wenn sie gesagt hätte, dass ich das Kind sehen darf, hätte ich es nie getan. Aber sie wollte mich nicht sehen. Ich weiß, dass mir keiner verzeihen wird. … Ich bin müde. Ich kann nicht in Usbekistan leben, wenn ich in Norwegen Kinder habe.“


Der Prozess begann am 22. Oktober 2007

22.10.07

Crime-Telegramm / 50 Polizisten suchen nach verschwundenem Paar


Im Januar verschwand in Schweden von einem einsam gelegenem Hof ein Paar (gesamter Fall siehe hier)

Ein Verdächtiger wurde damals festgenommen einige Monate später wieder freigelassen. Das Problem der Staatsanwaltschaft: Man findet einfach keine Leichen! Die Polizei ist sich allerdings sicher, dass beide tot sein. Keiner der beiden hatte einen gültigen Pass, die Bankkonten wurden seit jenem Tag nicht mehr angerührt.

Am Montag begann die Polizei nun erneut mit einer gründlichen Suche. 50 Polizisten durchkämmen seit den Morgenstunden einen Wald. Der Verdächtige vom Sommer hatte in diesem Wald den Wagen des Verschwundenen geklaut - als er den Wagen später verkaufen wollte, geriet er ins Visier der Polizei.