02.06.08

Der Massenmord von Falun



Es war ein Mord, der damals in Schweden eigentlich noch undenkbar war. Tragödien wie diese konnten vielleicht in den fernen USA geschehen, aber doch nicht Schweden, ein Massaker war damals eigentlich noch in ganz Nordeuropa vollkommen unvorstellbar!

Aber dann passierte es doch!

Ein eleganter Offiziersanwärter, ein scheinbar wohl angepasster und vernünfter junger Mann, drehte vollkommen durch und erschoss innerhalb weniger Minuten sieben Menschen. Fünf von ihnen waren Frauen - alle sieben waren Fähnriche, Offiziersanwärter wie er und junge Menschen voller Hoffnung und voller optimistischer Zukunftspläne.

Die Hintergründe der Tat wurden schnell klar. Eine Mischung aus Eifersucht, Liebeskummer und Alkohol hatte Mattias Flink zum Massenmörder gemacht. Begreifbar ist die Tat trotzdem bis heute nicht.

Die Tragödie begann eigentlich 1994 bereits einige Wochen vor den Morden.
Am 31. April war Walpurgisnacht und wie in Schweden üblich wollte Mattias Flink die Nacht durchfeiern. Er lebte in der Kaserne von Falun und hatte sich in diesem mittelschwedischen Ort kurz zuvor in die Krankenschwester Eva verliebt.
Als er Eva zur Walpurgisnacht abholen wollte, war er allerdings bereits so betrunken, dass Eva sich weigerte, ihn zu begleiten. Mattias Flink wurde so wütend, dass er auf Eva losging und andere Soldaten eingreifen und ihn stoppen mussten! Am nächsten Tag versprach er Eva, in Zukunft die Finger vom Alkohol zu lassen. Lange hielt der Vorsatz leider nicht. Nur wenige Tage später war er wieder betrunken, und wieder verlor er die Kontrolle über sich selbst. Dieses Mal ging er auf einige Kameraden los, die am Ende eine solche Angst vor ihm hatten, dass sie vor ihm davon liefen.

Irgendetwas schien mit Flink nicht in Ordung zu sein! Er war zeitgleich aggressiv und paranoid, manchmal weinte er, manchmal schrie er. Eva bekam Angst vor seinen Launen, und als Mattias dann sogar mit Männern sprach, die es gar nicht gab, merkte auch er, dass etwas nicht stimmte. Er ging zum Psychologen. Akute Hilfe bekam er jedoch nicht, der Psychologe gab ihm nur für Mitte Juni einen neuen Termin.

Bis dahin ist jedoch alles zu spät, denn am Abend des 10. Juni 94 ist die Tragödie nicht mehr zu stoppen!

Eva feiert an diesem Tag ihr Krankenschwesterexamen. Mattias Flink taucht - obwohl sich Eva inzwischen offiziell von ihm getrennt hatte - in Paradeuniform und mit einem Riesenstrauß Rosen bei ihr auf. Stolz erzählt er ihr, dass er mit dem Hubschrauber in Stockholm beim Oberbefehlshaber war und einen Geheimauftrag hatte. Später sollte Eva erfahren, dass diese Geschichte frei erfunden war. Aber ob frei erfunden oder nicht - Eva war von Mattias keineswegs beeindruckt. Trotz roter Rosen, Uniform und geheimen Auftrag wimmelte sie den Möchtegern-Helden ab und ging mit Freundinnen in die Stadt. Stunden später trifft sie ihn rein zufällig in einer Disco wieder. Flink dreht beim Anblick von Eva vollkommen durch. Er geht massiv auf sie los, Türsteher werfen ihn aus der Disco - Eva hat die Nase voll und geht zur Polizei. Sie will Mattias anzeigen.

Während sie zur Polizei fährt, geht Mattias zurück in die Kaserne. Er zieht eine Felduniform an, holt ein Maschinengewehr aus der Waffenkammer und 150 Schuss Munition. Dann geht er los.

Es ist kurz nach 2 Uhr morgens und fast Mittsommer. Die Nacht ist hell, die jungen Menschen sind fröhlich. Einige von ihnen - fünf junge Soldatinnen - gehen über einen schmalen Weg zurück zur Kaserne. Dort treffen sie auf den bewaffneten Mattias Flink. Er schießt und geht weiter und schießt dann auch noch auf einen PKW, in dem zwei Männer sitzen.

Er gibt 47 Schuss ab, jede einzelne Kugel trifft! Fünf Frauen sterben, vier von ihnen sofort. Auch die beiden Männer sind sofort tot.


Nach dem Massaker, Polizeifoto



Als im Polizeirevier Eva vor einem Beamten sitzt und ihre Anzeige machen will, geht dort das Telefon. "Jemand schießt, es gibt Verletzte ..." Eva lehnt sich blass im Stuhl zurück. Für sie ist der Fall umgehend klar. "Das ist Mattias."

Nach der Schießerei war Mattias Flink auf einen Baukran geklettert. Dort blieb er einige Zeit, dann kletterte er hinunter und versuchte zu fliehen. Unterwegs schoss er auf einen Streifenwagen, die Beamten schießen zurück und treffen ihn an der Hüfte. Um 3.25 Uhr ist der Spuk vorbei. Mattias Flink wurde festgenommen.

Mattias Flink war an dem Tag, an dem er zum Massenmörder wurde, 24 Jahre alt.
Er hatte - so sagt er selbst - eine harmonische Kindheit gehabt. Seine Eltern hatten sich zwar scheiden lassen, als er sieben Jahre alt war, aber er blieb beim Vater wohnen und sah seine Mutter, die ganz nahe wohnte, fast täglich.

Seine Verteidiger plädierten auf eine milde Strafe, Mattias Flink sei zum Tatzeitpunkt nicht zurechnungsfähig gewesen. Einige Psychologen waren sogar der Ansicht, dass Flink bereits seit längerem psychotisch war und eigentlich dringend psychologe Behandlung gebraucht hätte. Trotzdem verurteilte das Gericht Mattias Flink am 13. Februar 1995zu lebenslanger Haft.

Seit damals sind dreizehn Jahre vergangen, und Mattias Flink lebt heute schon fast wieder in Freiheit. Er ist zwar immer noch in Haft, hat aber oft Ausgang.

Ganz aktuell will das Gericht Anfang Juni 2008 darüber entscheiden, ob Mattias Flink nicht ganz begnadigt werden soll.

Die Opferangehörigen reagieren teilweise entsetzt über diesen laschen Vollzug einer lebenslänglichen Haftstrafe. "Ich habe keine Rachegefühle, aber mit dieser Strafe kommt er sehr billig davon", sagt z.B. ein betroffener Vater.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen