12.08.08

Mildes Urteil verärgert Dänemark


Ekstra Bladet am Tag nach dem Urteil: "16-Jähriger Täter wie ein Held gefeiert."




Im Oktober 2007 war Henrik Bjerremand Kristensen bei einem fröhlichen Fußballfest. Für den gemütlichen Norddänen, den jeder mochte, wurde es sein letzter Abend.


Die "Old Boys" vom Aalborger Fußballclub AaB hatten sich getroffen. Als Henrik nach der Party in den frühen Morgenstunden zu seinem Auto will, trifft er rein zufällig Rasmus P. Der 15-Jährige hatte getrunken und Speed genommen und hatte Lust, irgendjemanden zu überfallen und auszurauben. (Vor Gericht sagte er später: "Das hab ich schon öfters gemacht") Aber irgend etwas lief in dieser Nacht anders, aus einem relativ harmlosen Raubüberfall wurde eine regelrechte Orgie roher Gewalt.


Henriks Leiche war am Ende so zugerichtet, dass die Polizei später in der ersten Stunde nach dem Leichenfund glaubte, er sei von einem Schuss im Gesicht getroffen worden. Aber es war keine Kugel gewesen - es waren die Fäuste und vor allem die Stiefel von Rasmus P. Erst prügelte er auf ihn ein, und als er am Boden lag, trat er noch nach ihm. Schätzungsweise zehn Mal trat er mit seinen Absätzen nach Henriks Gesicht. Jeder Gesichtsknochen von Henrik wurde gebrochen! Die Oberlippe fehlte, und der ganze obere Gaumenbereich wurde eingetreten. Als Henrik nur noch schwer Luft bekommen konnte und mit dem Leben kämpfte, nahm Rasmus diesen Todeskampf mit seinem Handy auf.
Hier im Blog hab ich über diesen Fall zum ersten Mal hier berichtet


Nun stand der Junge vor Gericht. Da es keine Zeugen gab, erzählte er selbst über seine Tat, und die Staatsanwaltschaft zweifelte den Tatverlauf nicht an. Trotzdem wurde der Junge nicht wegen Totschlag verurteilt, sondern nur wegen Körperverletzung mit Todesfolge. Das Urteil: Vier Jahre Haft! Nach dem Urteil wurde der Junge von seinen Eltern beglückwünscht und umarmt, auch eine Freundin und zehn Freunde waren da und beglückwünschten ihn. "Er wurde gefeiert wie ein Held", beschwerte sich die Zeitung "Ekstra Bladet".

Das milde Urteil hat viele Dänen verärgert. Sogar Dänemarks Ministerpräsident Anders Fogh Rasmussen hat reagiert, er sei doch sehr erstaunt, sagte er. Dänemarks Justizministerin hat mitgeteilt, die Gesetzeslage zu überprüfen.

Die Staatsanwaltschaft hat zwei Wochen Bedenkzeit. Eventuell wird er Berufung gegen das Urteil einlegen.



Einer der ersten Zeigungsberichte über Henriks Tod (Ekstra Bladet)

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