15.02.09

Crime-Telegramm / Bandenkrieg in Kopenhagen











Video der Schießerei auf die Kopenhagener Saftbar auf JP-TV




Entspanntes Leben am Sund, Meer, Idyll, Shopping, Lebenslust - ist das Kopenhagen?

Das war einmal, zur Zeit erinnert das Leben in Kopenhagen eher an das Chicagos der 30er Jahre.

Der so genannte "Bandenkrieg" greift immer mehr um sich, kaum eine Woche ohne Schießereien oder Messerstechereien.

Dabei könnten durchaus Unbeteiligte und Unschuldige zu Opfern werden. Alleine in den ersten Wochen dieses Jahres wurde einmal durch ein Fenster in ein VIP-Café geschossen, in dem gerne junge Mütter nach dem Shopping einen frisch gepressten Saft trinken. Die Schießerei wurde sogar von einer Überwachungkamera gefilmt. Opfer war der Ex-Bodyguard eines bekannten dänischen Betrügers. Er hat überlebt, weil die Glasscheibe so dick war, dass die Kugel ihre Kraft verlor.

Kurz darauf wurde durch das Fenster in ein bekanntes Thai-Restaurant geschossen. Jeder, der in Kopenhagen gerne mal essen geht, war hier schon mal.
Es fallen auch Schüsse in der Nähe von Kinderspielplätzen und mitten am Tag auf offener Straße. Der so genannte Bandenkrieg ist seit Wochen DAS Gesprächsthema in Kopenhagen, in Taxis, bei Festen, in Bussen, an den Arbeitsplätzen, im Telefon, Freunde, Familie ... alle sind verärgert und natürlich oft auch ängstlich. Kann man überhaupt noch auf die Straße gehen? Kann man in den betroffenen Stadtvierteln noch mit seinem Kind auf den Spielplatz? Wann hört dieser Unsinn wieder auf? Was machen die Politiker falsch?

Über 20 Fälle hat die Polizei alleine im letzten Jahr als Mord oder Mordversuch eingestuft!
Makabere Nebenwirkungen:

Kopenhagen ist seit September "Visitationszone" . D.h., die Polizei kann jeden auf der Straße anhalten und eine Visitation durchführen, auch wenn kein aktueller Anlass, kein Verdacht und kein Beschluss vorliegt. Jeder in Kopenhagen muss also damit rechnen, auch mal mitten auf der Straße durchsucht zu werden.

Ist das ein idyllisches Leben am Öresund? Eher nicht ...

Und noch eine makabere Nebenerscheinung: Der Kopenhagener Blutbank gehen die Blutreserven aus! Letzte Woche teilte die Blutbank mit, dass 600 registrierte Spender aufgerufen wurden, außerplanmäßig zum Spenden zu kommen, da das Lager nur noch zwei Drittel der vorgeschriebenen Menge hat.

Der Hintergrund des Bandenkrieges:
Die alt eingesessene Rockergruppe "Hells Angels" liefert sich Territorial Streitereien mit Gruppen junger Migranten, meist Migranten der zweiten oder dritten Generation. Die Migranten sind allerdings los strukturiert, einige Gruppen haben nur drei bis fünf Mitglieder. Laut der Sonderkommission der Kopenhagener Kripo sind ca. 1000 Männer in diesem Machtkampf verwickelt. Sie streiten sich um den Drogenmarkt, oft ist es aber auch nur ein Spiel von der Galerie, Rache oder ganz normale Eifersucht. Frauen, die erst mit einem Rocker und dann mit einem "Feind" zusammensind, lösen ungewollt eine Schießerei aus.

Im Gegensatz zum legendären skandinavischen Rockerkrieg Mitte der 90er Jahre sind heute die Grenzen fließend und die Hintergründe der Überfälle vielfältig. Dementsprechend schwer tut sich die Polizei. Die Polizei arbeitet nun auch eng mit dem Finanzamt zusammen, man will die Täter eventuell nach dem sogeannten Al-Capone-Modell überführen. Der Mafiaboss wurde ja seinerzeit geschnappt, weil er das mit der Steuererklärung nicht so eng gesehen hatte. Genauso kann es den Bandenmitgliedern von heute gehen. Junge Männer in Armani und mit BMW ohne festem Job können jedenfalls damit rechnen, eingehend überprüft zu werden.





Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen