19.08.09

Gerechtigkeit um jeden Preis? - Der Fall Camilla Broe




Zeitungsausschnitt aus Ekstra Bladet


Kein Fall hat in diesem Sommer in Dänemark die Gemüter so erregt, wie der Fall Camilla Broe. Dabei ging es nur am Rande um das, was Camilla Broe verbrochen hat. Falls sie überhaupt etwas verbrochen haben sollte. In erster Linie ging es darum, wie weit ein Staat gehen kann, um allen Gesetzen zu genügen.
Camilla Broe lebte in den 90er Jahren in den USA. Dort lernte sie 1997 einen italienischen Drogenhändler kennen. Sie verliebte sich in ihn. Der Mann wurde verhaftet, verurteilt, hat seine Strafe abgesessen und lebt heute wahrscheinlich mit seiner Frau irgendwo in Italien.
2001 zog Camilla zurück nach Dänemark, sie war Mutter eines kleinen Mädchens geworden, und sie wollte offenbar wieder ein neues Leben beginnen. Aber bereits 2003 meldete sich das FBI bei den dänischen Behörden. Ihr Name war bei den Verhören mit dem italienischen Drogenhändler gefallen. Heute gibt es den Verdacht, dass der Mann, seine Kumpel und auch die Ehefrau mildere Strafen bekommen haben, weil sie weitere Namen angegeben haben - u.a. den Namen von Camilla Broe. Sie soll bei einem umfassenden Handel von Ecstasy geholfen haben.´
Es vergingen vier Jahre, 2007 meldete sich das FBI erneut. Man verlangte die Auslieferung der Dänin. Und nun passierte das merkwürdige: Das Justizministerium sagt Ja zur Auslieferung, ein Gericht hob die Verordnung des Ministeriums alledings wieder auf. Erst in zweiter Instanz wird festgelegt, dass Camilla Broe ausgeliefert werden muss. Während dieses Hickhacks war Camilla immer wieder längere Zeit in U-Haft und von ihrer Tochter getrennt.
Die Auslieferung ist nicht nur menschlich, sondern auch juristisch umstritten. Erst nach dem 11.9.2002 bekam Dänemark ein Gesetz, das die Auslieferung dänischer Staatsbürger in die USA ermöglicht. Das Gesetz sollte ein Teil eines Anti-Terror-Paketes sein. Und nun wird dieses Gesetz angewandt, obwohl Camilla Broe vor der Einführung dieses Gesetzes nach Dänemark zurückkehrte, und obwohl ihre Taten nichts mit Terror zu tun haben.
Camilla Broe sitzt zur Zeit wieder in U-Haft, jeden Tag kann es zur Auslieferung kommen. Ihre Tochter Isabella lebt nun bei einer Pflegemutter. Es ist die Gefängnispastorin! Sie hat sich mit Camilla angefreundet.
Besonders hart für Camilla Broe ist auch, dass sie von dänischer Seite in den USA keine juristische Unterstützung bekommen wird. Sie muss sich in den USA selbst einen Anwalt suchen, und ein guter Anwalt ist teuer. Ihre Freunde haben deshalb eine Homepage eingerichtet, auf der sie um Unterstützung für Camilla Broe bitten und den ganzen Fall ausführlich schildern.

1 Kommentar:

  1. Diese Geschichte hat mich besonders beeindruckt. Diese Frau verdient dieses Schicksal gar nicht. Und was ist los mit diesem Drogenhändler? Ist er frei?

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