08.09.09

Todesurteil für zwei Norweger







Tolstolv Moland (28) und Joshua French (27) -
zwei junge Norweger - vor dem Militärtribunal im
Kongo. Die Anklage lautet: Mord und versuchter Mord und Spionage.
Das Urteil fiel heute. French ist schuldig in allen Anklagepunkten, Moland mitschuldig.
Beide wurden zum Tode verurteilt.



Was die beiden jungen Norweger in den Dschungel trieb, wird ihr Geheimnis bleiben. Wahrscheinlich war es eine Mischung aus Abenteuerlust und dem Traum vom großen Geld. Fest steht, dass beide ihre Laufbahn daheim in Europa im Militär begannen. Moland war in Norwegen beim Militär, French - der die norwegische und englische Staatsbürgerschaft besitzt - in England. Anschließend ging auch French in Norwegen zur Armee. Im Herbst 2007 wurde beide aus dem Heer entlassen. Offenbar hatten sie versucht, innerhalb der norwegischen Armee Leute für einen privaten afrikanischen Sicherheitsdienst anzuwerben. French und Moland halten jedoch bis heute daran fest, dass sie freiwillig den Militärdienst verlassen haben.

2008 gingen die beiden Freunde schließlich nach Uganda. Sie hatten eine scheinbar richtig gute Geschäftsidee. Sie wollten eine Sicherheitsfirma gründen, die z.B. Hilfsorganisationen in Krisengebiete begleitet und dort schützt.
Die Firma wurde gegründet, aber die letzte Genehmigung vom Staat kam nicht, und die beiden saßen quasi arbeitslos in Uganda fest.
Ende April entschlossen sie sich zu einem Urlaub. Mit einem Motorrad fuhren sie von Uganda in den Kongo. Sie wollten in einen Nationalpark und in die Urwaldstadt Kisangani. Beide bezeichneten die Tour als einen "Urlaub in einer historischen Landschaft".


Aus dem Urlaub wurde ein Albtraum. Über das, was im Kongo passierte, gibt es allerdings unterschiedliche Auffassungen.
Moland und French betrachten sich selbst als unschuldige Opfer.
Ihr Motorrad ging kaputt, sie heuerten deshalb einen Wagen mit zwei Fahrern an. Später schloss sich noch ein weiterer Passagier der kleinen Gruppe an. An einem Abend, als es schon fast dunkel war, hielt der Fahrer den Wagen an. Schüsse fielen.
French und Moland retteten sich aus dem Auto und flüchteten in den Dschungel. Als es wieder ruhig war, kehrten sie zum Auto zurück. Der Fahrer lag tot neben dem Wagen, die anderen waren offenbar verschwunden. Sie sprangen hinein und fuhren weg. Aber statt nach Uganda zu fahren, kehrten sie um und fuhren zurück in den Nationalpark, aus dem sie gerade gekommen waren.
Nach eigener Aussage wollten sie dort den Behörden von dem Überfall berichten. Es wird eine schreckliche Fahrt. Immer wieder - so French und Moland - werden sie angegriffen und beschossen. Am Ende lassen sie den Wagen stehen und flüchten zu Fuß weiter. Als sie in eine Polizeipatrouille geraten, wird French festgenommen. Moland hört hinter ihm im Dschungel Schüsse, denkt, sein Freund sei tot und flüchtet weiter. Nach fünf Tagen erreicht er Mambasa, von dort aus ruft er seine Familie in Norwegen an. Auf diese Art erfährt er, dass sein Freund lebt und nur festgenommen worden ist. Er entschließt sich dazu, sich zu stellen. Beide landeten in einem Militärgefängnis in Kisangani. Da man bei der Festnahme Militärpapiere bei ihnen fand, wurde entschieden, dass das Militärgericht für den Fall zuständig ist.

Für die Anklage war der Fall klar: Moland und French hatten ihren Fahrer erschossen, um so gratis an das Auto zu kommen. Außerdem waren sie mit dunklen Absichten unterwegs, wollten nach Diamanten suchen oder spionieren oder als Söldner für Feinde arbeiten. Einen "Ausflug" in den Dschungel kaufte die Anklage nicht ab.

Der Prozess begann Anfang August und entwickelte sich zu einer Mediensensation in Norwegen. Die Zeitungen berichteten life über den Prozess, Webkameras zeigten direkt in den Gerichtssaal. Das norwegische Außenministerium finanzierte über die norwegische Rechtshilfe einen Anwalt. So konnten die Norweger direkt mit erleben, dass in Zentralafrika die Uhren halt anders ticken, als in Europa. Die Anklagten hatten im Gefängnis z.B. kein Recht auf Essen. Im Kongo ist es üblich, dass die Gefangenen von ihren Familien versorgt werden. Wochelang war der alte Vater von Moland im Kongo, um dort Essen einzukaufen und am Gefängnistor abzuliefern oder abliefern zu lassen.
Heute, am Tag der Urteilsverkündung, erschienen die Angeklagten alleine vor Gericht. Ihr Anwalt hatte kurzerhand eine Absage geschickt, weil einige Rechnungen noch nicht bezahlt worden sind. Außerdem hat im Kongo jeder die Möglichkeit, Schmerzensgeld zu fordern. Die Witwe des Fahrers, die Republik Kongo, ja sogar der Auto-Vermieter, forderten während des Prozesses Entschädigungen in Millionenhöhe. Zeitweise war von 600 Milliarden Dollar (!) die Rede, bis sich herausstellte, das es sich um einen Übersetzungsfehler handelte.

Die Anklage legte einen Beweis nach dem anderen auf den Tisch.
Am schwerwiegendsten war jedoch ein Foto, das man später auf dem Handy der beiden fand. Es zeigt, wie French lachend das Blut aus dem Auto wäscht. Die beiden erklärten dazu, dass sie lachten, weil sie glücklich gewesen waren, den Überfall überlebt zu haben. Ihr Verteidiger behauptet sogar, das Foto sei manipuliert. Der Ankläger sagt, sie lachen, weil sie denken, sie seien mit einem Mord davon gekommen. Dazu kamen die Tatzeugen, der dritte Passagier und der zweite Fahrer. Sie sagten gegen Moland und French aus.

Das Beweisfoto der Anklage
...
....
Am Ende des vierwöchigen Prozesses forderte der Staatsanwalt für beide die fünffache Todesstrafe!
Als der Richter am Dienstag sein Urteil verkündete, nahm er kein Blatt vor den Mund. Er bezeichnete die beiden als "Bande" und "kriminelle Vereinigung", es sei Privatpersonen verboten, im Kongo Waffen zu tragen, sie hätten versucht, paramilitärische Gruppen zu bilden. Er gab dem Ankläger in allen Punkten Recht und sprach schließlich nach fast zwei Stunden Urteilsverkündung das Todesurteil aus.
Außerdem sollen sie 171.000 Dollar Schmerzensgeld an die Witwe, an die Kinder und an die Zeugen bezahlen und den Autobesitzer bezahlen.
Als i-Tüpfelchen verkündete der Richter noch, dass Moland und French UND der norwegische Staat 60 Millionen Dollar an den Kongo zahlen müssen. Es handle sich um einen symbolischen Betrag, 1 Dollar pro Einwohner.
Schuldig oder Nichtschuldig? Für Außenstehende, die Afrika und den Kongo nicht kennen, ist das sehr schwer zu beurteilen. Warum sollten zwei Zeugen lügen? Aber warum sollten die Norweger ihren Fahrer erschießen, wenn sie für die Fahrt doch bereits bezahlt hatten? Warum haben sie dann nicht einfach alle erschosen, um keine Zeugen zu haben? Warum sind sie, wenn sie schuldig sind, nicht einfach weiter nach Uganda gefahren, sondern sind umgekehrt? Haben Sie wirklich irgendwelchen dunklen paramilitärischen Geheimnisse, wie man im Kongo vermutet?
Ganz genau wissen es nur zwei. Vor dem Urteil sagten sie noch: "Im Kongo ist lebenslänglich genauso schlimm, wie ein Todesurteil."

Kommentare:

  1. Zitat:"Warum sollten zwei Zeugen lügen?"

    1) Vielleicht, um nicht selbst verdächtigt zu werden...
    2) Sie sind noch am Leben und wurden somit als Tatzeugen in Kauf genommen...

    Für mich zwei wichtige Argumente, diesen Zeugen keinen Glauben zu schenken!

    AntwortenLöschen
  2. Mittlerweile ist Tjostolv Moland im Gefängnis gestorben . Mord oder Selbstmord, es bleibt offen und ungeklärt- sein Mitinsasse French hat ihn gefunden. Im übrigen ist es auch Moland, der auf dem Foto zu sehen ist, auf welchem das Blut aus dem Wagen gewaschen wird und nicht French.

    AntwortenLöschen