22.01.10

Crime-Telegramm: Der Mord an Maria oder die fast verlorene Ehre des Jan L.M.

Die erste Nacht des neuen Jahres brachte einer jungen, lebenslustigen Frau den Tod. Gleichzeitig war die Nacht der Beginn eines 21-tägigen Albtraumes für Jan Lindholt Mikkelsen, aus dem er nun zum Glück wieder aufwachen konnte.
Maria Møller Christensen war auf Silvester auf einer Party in Herning. Aus irgendeinem Grund verließ sie plötzlich die Party - ohne Schuhe und ohne Mantel! Dabei war es 13 Grad Frost. Auch ihr Handy und ihre Wohnungsschlüssel ließ sie auf der Party zurück. Sie ging nach Hause, kam aber nicht in die Wohnung, weil auch ihr Vater irgendwo in Herning Silvester feierte. Ihre Freunde machten sich indes Sorgen, man begann, die junge Frau zu suchen. Was in den ersten Stunden des neuen Jahres genau passierte, weiß man nicht. Aber Bilder von Überwachungskameras in der Herninger Innenstadt zeigten später, dass Maria verzweifelt versuchte, irgendwo ins Warme zu kommen. Dann verliert sich ihre Spur. Polizisten suchten in der Neujahrsnacht nach Maria - und am Morgen fand man sie schließlich im Keller eines Wohnhauses. Sie war sexuell missbraucht, geschlagen und schließlich mit ihrer Strumpfhose erwürgt worden.

Über dem Keller wohnt Jan Lindholt Mikkelsen. Er war selbst in der Nacht auf einer Silvesterparty und hatte keine Ahnung, was los ist, als er morgens plötzlich Polizisten im Haus sieht.
Schon kurz nach dem Fund der Leiche wird er verhört, schließlich festgenommen. Der Haftrichter ordnet U-Haft an -  und niemand fordert vor dem Richter wie sonst üblich ein Namensverbot!
Schon zwei Tage nach dem Mord veröffentlichte die Zeitung "Ekstra Bladet" deshalb Foto und Namen des Festgenommenen. Mikkelsen hatte zwar sofort freiwillig eine DNA-Probe abgegeben, aber es dauerte 20 Tage, bis der DNA-Vergleich fest stand. Mikkelsen kann nicht der Mörder sein!

In der Zwischenzeit hatte sich jedoch der Mob bereits gegen Mikkelsen versammelt. In einer Facebook-Gruppe wurde gegen Mikkelsen gehetzt, einige bedrohten ihn, andere schrieben Dinge wie "Auge um Auge ..."
Viele fordern heute, dass sich "Ekstra Bladet" bei dem Mann entschuldigt, aber die Zeitung lehnt das ab. Es habe kein Namensverbot gegeben, und man habe nach Mikkelsens Freilassung im gleichen Umfang über die Unschuld des Mannes berichtet, wie wenige Wochen zuvor über seine Festnahme. Mikkelsen selbst weigert sich, mit Ekstra Bladet zu sprechen, aber er gab nach seiner Freilassung seiner Lokalzeitung ein Interview.  "Im Video-Text konnte ich in meiner Zelle lesen, dass man Spuren vom Opfer in meiner Wohnung gefunden haben will. Da dachte ich, dass ich niemanden mehr von meiner Unschuld überzeugen kann." Er dachte an Selbstmord, und er dachte auch daran, dass er sich vielleicht irrt. "Mit der Zeit habe ich mich immer öfters gefragt, ob das vielleicht möglich war. Ich konnte ja mit niemanden sprechen."
Durch das Interview wurde noch ein anderes Detail aus der Mordnacht bekannt. Mikkelsen kam um 2.30 Uhr nach Hause und stellte sein Fahrrad in den Keller. Dabei stolperte er über irgendetwas am Boden. Er dachte, es sei Abfall und wollte sich am nächsten Tag darum kümmern. Es war jedoch Maria. Als die Polizei die Leiche fand, lag sie jedoch an einer anderen Stelle im Keller. Mikkelsen vermutet deshalb, dass er mit dem Mörder gemeinsam im Keller war.
Mikkelsen hat in der U-Haft 9 Kilo abgenommen, sein jüngerer Bruder berichtete in einem Radio-Interview, dass es ihm wirklich schlecht geht. Er wird nun psychologisch betreut. Mikkelsens Anwalt Morten Wagner verteidigte übrigens seinen Entschluss, vor Gericht kein Namensverbot zu verlangen. "Es war eine richtige Entscheidung. Er ist nun in aller Öffentlichkeit von jedem Verdacht befreit. Ich wusste auch, dass ein Foto von ihm in der Zeitung helfen kann, die Aussage meines Mandaten mit Zeugenaussagen zu unterstreichen."

In Herning geht indessen die Angst um, denn ein brutaler Frauenmörder ist immer noch auf freiem Fuß. 14 Männer haben inzwischen freiwillig DNA-Proben abgegeben.



Ekstra Bladet, hier die Seite 1 am Tag nach
Marias Tod


Dann: "Maria wurde in seinem Keller gefunden",
Mikkelsens Gesicht ist noch unkenntlich gemacht.



Wieder ein paar Tage später: Ein Foto von Mikkelsen,
dazu jedoch die Aussage eines Freundes: "Die Polizei hat den Falschen"





Dann die Befreiung: "DNA-Analyse zeigt: Unschuldig"



und inzwischen gibt es auf Facebook auch eine Reihe von Gruppen, die Jan unterstützen, hier ist eine davon,
dort steht u.a. "Ich bin so verärgert darüber, dass die Dänen ihn sofort verurteilt haben, Hassgruppen gegründet wurden und ihm den Tod wünschten."

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