25.04.10

Crime-Telegramm - Morde mit Gift, perfekte Morde?


Eigentlich schreibe ich hier selten über Bücher, aber diese Tage erscheint in Dänemark doch ein sehr interessantes Werk. Autor ist der dänische Gerichtsmediziner und Chefgerichtschemiker. Während seiner Tätigkeit hatte er immer wieder mit Giftmorden zu tun, und in seinem Buch "Der perfekte Mord" schildert er eine Reihe dieser schwer zu beweisenden Verbrechen. Bei fast allen Fällen war er an den Nachforschungsergebnissen beteiligt.
Ein Fall, der besonders zu Herzen geht, ist die Geschichte von Erik D. Er und seine Zwillingsschwester kamen 1957 zur Welt, beide Babys wurden ziemlich schnell ziemlich krank. Ein Arzt wurde misstrauisch, da die Kinder bereits drei ältere Geschwister an undefinierbaren Krankheiten verloren hatten. Damals - Anfang bis Mitte der 50er Jahre - war die Kindersterblichkeit noch so hoch, dass man das noch relativ normal empfand. Den Eltern wurde jede Menge Sympathie entgegengebracht. Als die Zwillinge dann krank wurden, besuchte die Mutter sie jeden Tag im Krankenhaus. Sie war ausgesprochen besorgt und liebevoll. Trotzdem ging es den Kindern nach den Besuchen immer schlechter. Und der beobachtende Arzt wurde noch misstrauischer! Die Polizei wurde gerufen, und als sie befragt wurde, gestand sie sofort und ohne Umschweife. Sie hatte ihre ersten drei Babys vergiftet und hatte das gleiche mit den Zwillingen vor. Heute denkt man sofort: Ah, das war ein Fall von Münchenhausen Proxy, also eine Mutter, die ihre Kinder krank macht, um selbst in den Mittelpunkt zu kommen. Aber hier gab es einen anderen Hintergrund. Der Vater der Kinder verlangte absolute Ruhe im Haus. Jedes Mal, wenn die Babys weinten, ging er auf die Mutter los und drohte auch damit, sie zu verlassen. Die Frau wurde zu zwölf Jahren Gefängnis verurteilt, und der was dann passierte, lässt tief blicken. Erik D. erfuhr im Alter von 12 Jahren von seinem Vater, dass seine Mutter wegen Kindsmordes hinter Gittern ist. Als er 22 war, nahm die Mutter Kontakt mit ihm auf. Es endete damit, dass Erik D. den Kontakt zum Vater abbrach, denn er versteht sich prima mit seiner Mutter. Das Buch ist leider nur in Dänemark erschienen. Es heißt "Det perfekte Mord"

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