13.04.12

Breivik - zurechnungsfähig oder nicht zurechnungsfähig - die unterschiedlichen Auffassungen der Psychiater

Wie ja bekannt ist, haben zwei verschiedenen Psychiatergruppen zwei verschiedene Diagnosen gestellt, die erste erklärte ihn für psychotisch und deshalb unzurechnungsfähig, die zweite für zurechnungsfähig. Hier die verschiedenen Punkte mit den verschiedenen Auffassungen der Ärzte

Die Psychiater Husby und Sørheim (sie erklärten ihn für unzurechnungsfähig) meinten folgendes:
1. Er ist psychotisch. Grund: Zwangsgedanken steuern sein ganzes Leben und seine Gedanken. Sie kommen zu dem Schluss, dass er unter paranoider Schizophrenie leidet und man weitere Persönlichkeitsstörungen erst behandeln kann, wenn man die Schizophrenie per Behandlung im Griff hat.
2. Er zeigt keine Emapthie. Grund: Die Psychiater fanden heraus, dass er seit 2006 praktisch keine Gefühle mehr empfindet. Sie erkannten, dass er stolz auf seine Handlungen ist, und dass er nicht beurteilen kann, wie die Gesellschaft darauf reagiert. Diese Symptome führten wiederum zur Diagnose "Paranoide Schizophrenie".
3. Er ist funktionsunfähig. Grund: Die Psychiater fanden, dass er wie ein Mensch, der ständig im Bett liegen muss, weder sozial, praktisch oder beruflich funktionstüchtig war.
4. Zwangsgedanken: Die Psychiater empfanden, dass er sich ständig wiederholt und dass er neue Wörter erschafft, weil er psychotisch ist.
5. Er leidet unter keinen Halluzinationen. Darüber waren sich die Psychiater einig.
6. Er leidet unter Paranoia. Grund: Die Psychiater erkannten die Paranoia darin, dass sich Breivik von der Polizei überwacht fühlte, und dass er immer wieder auf den Straßen nach versteckten Kameras Ausschau hielt. Auch seine Behauptung, er sei Teil eines Bürgerkriegs seien Zeichen der Paranoia.
7. Persönlichkeitsstörung: Die Psychiater meinen, dass Breivik alle fünf Kriterien erfüllt, wenn von einer Schizophrenie die Rede ist - u.a. Zwangsvorstellungen, unlogisches Sprechen und Funktionsunfähigkeit

Die Psychiater Tørrossem und Aspaas kamen zu einer ganz anderen Diagnose
1. Er ist nicht psychotisch. Sie empfanden Breiviks Beschreibung der "Knights Templar" als exentrisch und theatralisch. Sie sind davon überzeugt, dass er genau weiß, dass es diese Organisation nicht gibt und seiner Phantasie entsprungen ist.
2. Er zeigt keine Empathie (hier war man sich mit den beiden anderen Kollegen einig). Sie erkannten, dass er nichts bereut und dass er das gleiche noch einmal tun würde.
3. Er ist voll funktionsfähig. Der Grund: Auch wenn Breivik lange Zeit ein Doppelleben führte, ist das kein Zeichen dafür, dass er nicht funktionsfähig wäre, wie man es sonst bei ernsten psychischen Leiden beobachten kann.
4. Er hat keine Zwangsgedanken: Er entwickelt zwar ständig neue und bisher unbekannte Wörter wie "Ritterjustiz" oder "Nationaldarwinismus", aber das ist heutzutage ganz normal. Bis vor kurzem kannte man auch die Wörter "Butterkrise" nicht, ein Wort, das in diesem Winter in Norwegen sehr modern war.
5. Er leidet unter keinen Halluzinationen. Hier war man sich auch mit den zwei ersten Psychiatern einig.
6. Er ist nicht paranoid. Der Grund: Es ist bekannt, dass die Polizei Extremisten überwacht, es ist deshalb nur logisch, dass sich Breivik beobachtet fühlte und dass er davon überzeugt war, für die Polizei interessant zu sein.
7. Er hat keine Persönlichkeitsstörung  im Sinne von Schizofrenie. Der Grund: Er spricht zwar oft in Wir-Form, wenn er nur sich selbst meint, aber er geht davon aus, dass es jede Menge Gleichgesinnte gibt.

Breivik fordert Freispruch

Das haben seine Anwälte heute mitgeteilt. Er will freigesprochen werden, weil er in vorbeugender Notwehr gehandelt habe. .....

12.04.12

Blog-Infos

Ich habe den Blog ja nun auf den von Google angebotenen dynamischen Modus eingestellt. Das ist etwas merkwürdig, kann mich selbst damit kaum anfreunden. Aber der Modus hat eine tolle Möglichkeit. Ganz links oben gibt einen Button, da könnt Ihr von "Classic" auf  alles mögliche andere umstellen, jedes Mal sieht der Blog dann anders aus ... quasi, nach dem Motto: Wie es Euch gefällt.

Über mein Buch


Es gibt eine Rezension, bin ganz baff.
Wer wil, kann sie hier lesen Leipziger Online-Zeitung

11.04.12

Breivik-Prozess - Psychiater uneinig

Nachdem ihn die ersten für unzurechnungsfähig erklärt haben und ihm eine paranoide Schizofrenie diagnostizierten, meinten die neue Gruppe nun etwas anderes. Er sei zwar narzisstisch, aber ansonsten durchaus in der Lage, die Umwelt richtig einzuschätzen. Psychiater diskutieren nun in Norwegen miteinander und gegen einander, jeder scheint eine eigene Meinung zu haben. Eine Zeitung hatte dazu eine tolle Analyse: "Verrückt und trotzdem normal? Gibt es das?" - Tja, das ist die Frage

Breivik bereut - dass er nicht mehr Menschen getötet hat!


Sein Anwalt Geir Lippestad hat gestern berichtet, dass Breivik gerne noch mehr Menschen getötet hätte, seine Aussagen vor Gericht werden sehr unangenehm werden. Breivik hat sich übrigens wahnsinnig gefreut, nicht länger als unzurechnungsfähig zu gelten.

Übrigens wohnt er - für Gefängnisverhältnisse - recht schick. Er hat drei Zellen für sich, eine fürs Arbeiten, eine fürs Training und eine zum Schlafen. Eine Grafik über die Zellen ist hier zu sehen: Er hat einen Laptop, eine Kletterwand, ein Laufband usw

Allerdings sollte man nicht vergessen, dass er - trotz allem - immer noch nur in U-Haft sitzt und deshalb gewisse rechtliche Ansprüche hat



10.04.12

Breivik nicht psychotisch

Erst wurde Anders Breivik ja unzurechnungsfähig erklärt, dann entschloss das Gericht, ihn vier Wochen lang unter psychiatrische Beobachtung zu stellen. Dazu richtete man eigens Räume im Gefängnis ein, damit Breivik während der Beobachtung "normal" leben konnte. Es gab auch keine Gefängniswärter in der Nähe. Heute Mittag haben die Psychiater nun ihren Bericht abgeliefert. Breivik ist NICHT psychotisch! Auszug aus dem Bericht: 1. Der Observierte war weder psychotisch, bewusstlos oder geistig zurückgeblieben während des Zeitpunkts der Taten. 2. Der Observierte hat kein ernstes psychisches Leiden, das bedeuten würde, dass eine realistische Einstellung zur Umwelt geschwächt werden könnte, er hat auch nicht unter starken Bewusstseinstörungen während der Taten gelitten. Der Observierte leidet an keiner geistigen Entwicklungsstörung. 3. Der Observierte war während der Untersuchung nicht psychotisch. Es besteht ein hohes Risiko für Wiederholungstaten. Der Untersuchungsbericht wird nun von gerichtsmedizinischen Kommission unter die Lupe genommen.

09.04.12

Anders Breivik - So wird der Prozess verlaufen

Der Prozess gegen Massenmörder Anders Breivik beginnt am 16. April und wird in mehreren Etappen verlaufen

16.-23. April 2012: Breivik und seine Anwälte werden eine Erklärung abgeben

25.-30. April 2012: Die Opfer der Osloer Bombe werden aussagen

3. Mai 2012 - Alles über den Tatort und die Waffen

4.-11. Mai 2012: Die Morde von Utøya werden behandelt

14.Mai-1.Juni 2012: Hinterbliebene, Überlebende und andere Utøya-Opfer werden aussagen

4. Juni 2012: Die Festnahme
4.-5. Juni 2012: Polizei berichtet über den Kontakt mit Breivik

7.-15. Juni 2012: Die Verteidiger und die Opferanwälte haben das Wort

18.-20. Juni 2012: Die Gerichtspsychiater legen ihre Berichte vor

21.-22. Juni 2012: Die Plädoyes

Es kann sich natürlich alles verschieben, und es ist noch nicht bekannt, wie lange das Gericht für das Urteil brauchen wird.


Aftonposten hat eine Grafik des Gerichtssaals veröffentlicht. Die orange Figur ist Breivik, neben ihm sind die Verteidiger

Die fünf Richter in der obersten Reihe sind
Wenche Arntzen, sie leitet den Prozess. Ihr Nebenrichter ist Arne Lyng.
Dazu gibt es drei Schöffen: Thomas Indrebø (eigentlich Innenarchitekt), Ernst Nielsen (eigentlich Sachbearbeiter bei der Stadt Oslo) und Diana Fynbo (Lehrerin)

Die vier Personen die vor den Richtern sitzen, sind die Sachverständigen, die vier Psychiater Terje Tørrrissen, Agnar Aspaas, Torgeir Husby und Synne Sørheim

Links - gegenüber von Breivik, sitzt die Staatsanwaltschaft in der vorderen Reihe, und die Opferanwälte in der hinteren Reihe. Die Staatsanwaltschaft wird von Enga Bejer Engh und Svein Holden vertreten, neben ihnen sitzen die jeweils zuständigen Ermittler der Polizei.

Es gibt 193 Zuhörerplätze,die sich Journalisten und Angehörige teilen müssen, daneben mehrere Räume für Dolmetscher.

In den Kästen hinter Breivik sitzen Sicherheitsleute, und dahinter gibt es noch weitere Bänke für Opfer und Hinterbliebene aus ganz Oslo. Sie dürfen aufgrund von Platzmangel jedoch nur dann dort sitzen, wenn der Fall ihres toten Angehörigen oder ihr eigener Fall besprochen wird.

22. Juli 2011 / Oslo-Utoya - Das Buch ist da!

 Ein Blog über skandinavische Kriminalfälle und kein Wort über den 22. Juli 2011?

Dieser Tag war so schrecklich, die Leiden so unfassbar, dass es den Blog gesprengt hätte.

Aber es entstand ein Buch daraus, ein Buch, in dem ich auch noch über ein paar andere Kriminalfällte berichte.

Es ist vor kurzem erschienen.

Heute in einer Woche beginnt der Prozess gegen Breivik. Im Blog wird man dann Aktuelles dazu erfahren
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